Art project - Goddess worship
In den folgenden Beiträgen dokumentiere ich das Kunstprojekt „Goddess worship – Doctrine of power“. Das Konzept dazu kannst Du auf meiner Homepage lesen. www.kribusz.com
Für die Realisierung des Projektes bekam ich im Januar 2009 ein Arbeitsstipendium der Kunstsektion des Bundeskanzleramtes, Österreich.
Für die Realisierung des Projektes bekam ich im Januar 2009 ein Arbeitsstipendium der Kunstsektion des Bundeskanzleramtes, Österreich.
New Delhi, India
25. Januar, Sonntag, 5 Uhr Morgens
Der erste Eindruck wie wir den kleinen Flughafen der 11 Millionen Megacity, Delhi, verlassen ist so wie es in den Büchern und Medien suggeriert wird: sehr arm, ein ihren eigenen Regeln folgendes exotisches Elend. Die Luftverschmutzung kann ich riechen, wie wir später ins Taxi steigen, kann ich es sogar sehen. Über der ganzen Stadt hängt eine Art „Nebel“ aus Feinstaub. In meinem Kopf werfen sich sofort Gedanken auf: über globale Verantwortung, über den „Segen“ der Kolonialisierung, darüber, was wir Westler vor 2-300 Jahren wohl nicht übersehen haben, nämlich das Verständnis des damaligen Indiens für die Natur, für das Eingebunden sein in einem Kreislauf, dessen Teil wir sind und dessen Leugnung wir in Europa damals bereits vorgenommen haben, in einer „wissenschaftlichen“, das Bewusstsein von der Natur trennenden, eroberungswütigen Arroganz. Der vermeintliche „Segen“ unserer „Zivilisation“. Dazu kam noch unsere sogenannte wissenschaftliche Objektivität, das Kategeorisieren und Beurteilen nach Kriterien die über das subjektive Beurteilen liegen. Womit aber nur gemeint war, das wir nicht nur uns selbst als Subjekt negiert haben, nicht nur uns selbst aus unsere Betrachtung versucht haben raus zu nehmen, sondern auch die anderen, um zu tarnen, dass die Nutznießer dieser Betrachtungs- und Handlungsweise wir sind und waren.
Wie muss es damals hier ausgesehen haben???
* * * * * * * * *
Wir fahren mit dem Taxi in das zentrumnah gelegene kleine Hotel wo wir zwei Nächte verbringen werden.
Den Tag verbringen wir mit Sightseeing, obwohl ich nicht so sehr für geführte Stadtrundfahrten bin ist es doch die schnellste Variante um ein wenig Einblick zu bekommen. Morgen fliegen wir schon weiter, Delhi ist nur eine Landungstation für uns. Das Ziel der Reise ist die Realisierung meines Kunstprojekts „Goddess worship – Doctrine of power“, ein Kunstprojekt über die Göttin Kali, die hindu Göttin der Zerstörung und der Kreation, über das tantrische Verständnis in Indien, darüber was ich aus Büchern, aus neotantrischen Ritualen in Europa nie erfahren konnte. Auch darüber wie das spirituell-tantrische Lebensgefühl, die Lebensgestaltung, das Bewusstsein und die Praxis aussehen und natürlich was sich aus dem Leben in Bildern, mit Mitteln der Kunst festhalten lässt. Kunst ist dann wieder etwas anderes für mich als das Lebendige selbst, zur Zeit ein Vermittler, ein Medium, ein Kanal zu den Anderen, Kanal der Begeisterung, des Mitteilens und auch des Staunens und - auch wenn es in einem Blog dumm aussehen mag - der Liebe.
Zurück zu Delhi: der erste Eindruck wird revidiert. Von grossartiger moderner Architektur (z.B. Baha´i Lotus Temple) bis zu beeindruckenden Beispielen der Tempelarchitektur (z.B. Laxminarayan Temple) oder Jama Masjid, der größten Mosche im pazifischen Asien. The Indian Institute of Technology oder das Indian Institute of Medical Sciences sind in Delhi. Es würde zu weit führen all das auf zu zählen, was unsere Stadtrundfahrt umfasst hat.
Es war ein sehr kontroversieller Eindruck. Neben Luftverschmutzung, Armut etc. bekam ich den Eindruck über eine Großstadt mit rasantem Tempo, hoch entwickelter Technologie, Wissenschaft und Kunst. Ich ahne, dass ich diesen Eindruck während meiner Reise noch oft bestätigt bekommen werde: Archäologie neben Technologie, althergebrachte spirituelle Rituale umgeben vom Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts.
25. Januar, Sonntag, 5 Uhr Morgens
Der erste Eindruck wie wir den kleinen Flughafen der 11 Millionen Megacity, Delhi, verlassen ist so wie es in den Büchern und Medien suggeriert wird: sehr arm, ein ihren eigenen Regeln folgendes exotisches Elend. Die Luftverschmutzung kann ich riechen, wie wir später ins Taxi steigen, kann ich es sogar sehen. Über der ganzen Stadt hängt eine Art „Nebel“ aus Feinstaub. In meinem Kopf werfen sich sofort Gedanken auf: über globale Verantwortung, über den „Segen“ der Kolonialisierung, darüber, was wir Westler vor 2-300 Jahren wohl nicht übersehen haben, nämlich das Verständnis des damaligen Indiens für die Natur, für das Eingebunden sein in einem Kreislauf, dessen Teil wir sind und dessen Leugnung wir in Europa damals bereits vorgenommen haben, in einer „wissenschaftlichen“, das Bewusstsein von der Natur trennenden, eroberungswütigen Arroganz. Der vermeintliche „Segen“ unserer „Zivilisation“. Dazu kam noch unsere sogenannte wissenschaftliche Objektivität, das Kategeorisieren und Beurteilen nach Kriterien die über das subjektive Beurteilen liegen. Womit aber nur gemeint war, das wir nicht nur uns selbst als Subjekt negiert haben, nicht nur uns selbst aus unsere Betrachtung versucht haben raus zu nehmen, sondern auch die anderen, um zu tarnen, dass die Nutznießer dieser Betrachtungs- und Handlungsweise wir sind und waren.
Wie muss es damals hier ausgesehen haben???
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Wir fahren mit dem Taxi in das zentrumnah gelegene kleine Hotel wo wir zwei Nächte verbringen werden.
Den Tag verbringen wir mit Sightseeing, obwohl ich nicht so sehr für geführte Stadtrundfahrten bin ist es doch die schnellste Variante um ein wenig Einblick zu bekommen. Morgen fliegen wir schon weiter, Delhi ist nur eine Landungstation für uns. Das Ziel der Reise ist die Realisierung meines Kunstprojekts „Goddess worship – Doctrine of power“, ein Kunstprojekt über die Göttin Kali, die hindu Göttin der Zerstörung und der Kreation, über das tantrische Verständnis in Indien, darüber was ich aus Büchern, aus neotantrischen Ritualen in Europa nie erfahren konnte. Auch darüber wie das spirituell-tantrische Lebensgefühl, die Lebensgestaltung, das Bewusstsein und die Praxis aussehen und natürlich was sich aus dem Leben in Bildern, mit Mitteln der Kunst festhalten lässt. Kunst ist dann wieder etwas anderes für mich als das Lebendige selbst, zur Zeit ein Vermittler, ein Medium, ein Kanal zu den Anderen, Kanal der Begeisterung, des Mitteilens und auch des Staunens und - auch wenn es in einem Blog dumm aussehen mag - der Liebe.
Zurück zu Delhi: der erste Eindruck wird revidiert. Von grossartiger moderner Architektur (z.B. Baha´i Lotus Temple) bis zu beeindruckenden Beispielen der Tempelarchitektur (z.B. Laxminarayan Temple) oder Jama Masjid, der größten Mosche im pazifischen Asien. The Indian Institute of Technology oder das Indian Institute of Medical Sciences sind in Delhi. Es würde zu weit führen all das auf zu zählen, was unsere Stadtrundfahrt umfasst hat.
Es war ein sehr kontroversieller Eindruck. Neben Luftverschmutzung, Armut etc. bekam ich den Eindruck über eine Großstadt mit rasantem Tempo, hoch entwickelter Technologie, Wissenschaft und Kunst. Ich ahne, dass ich diesen Eindruck während meiner Reise noch oft bestätigt bekommen werde: Archäologie neben Technologie, althergebrachte spirituelle Rituale umgeben vom Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts.
28. Januar 2009
Schöne Grüße aus dem Ort von dem ich - zumindest – seit vier Jahren träume: Khajuraho. Wohl der bekannteste unter den historischen spirituell-tantrischen Orten. Seit einiger Zeit von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Auf einer Fläche von 21 Quadratkilometern befinden sich die 24 Tempel der ursprünglich aus 84 Tempeln bestehenden Anlage. In der Mogulenzeit sind viele der Tempel von den muslimischen Eroberern zerstört worden, da die Glaubensvorstellung - was alles Spiritualität mit einschließen kann und darf - von dem hinduistischen und von dem muslimischen Glauben sehr unterschiedlich definiert wurde. Es stehen 24 atemberaubend schöne, aus der Zeit zwischen 850 und 1250 nach unsere Zeitrechnung stammende, Hindu und Jain Tempel in Khajuraho.
... und sie werfen bis heute Rätsel über die einstige Bedeutung und den Gebrauch der Anlage auf. Archäologen, Kunst- und Kulturhistoriker zerbrachen sich die Köpfe darüber, was die vielen sinnlichen Skulpturen auf der Fassade wohl zu bedeuten haben? Wie kommt es, dass die vielfältigen und tabulosen Darstellungen über erotisch-entzückte Körper Tempelfassaden schmücken und sogar im Tempelinneren zu finden sind? Je nach Epoche und Moralvorstellung fielen verschiedene Interpretationen aus: von "pornographischen Skulpturen", "dekadentem höfischen Sexualkult" wurde geschrieben und gesprochen, andererseits wurden die Skulpturen als Abbildungen von "esoterischen tantrischen Ritualen, die zu Erleuchtung führen" und "die Ganzheit, die nur mit dem Gefährten in Vereinigung erfahrbar ist" interpretiert. Die sich umarmende Pärchen als ein Symbol von Moksha. Jeder warf die eigenen Projektionen auf die Tempel von Khajuraho.
Die hinduistische Philosophie erkennt vier wesentliche Aspekte des Lebens an, die es zum integrieren, entwickeln und zum pflegen gilt. Eine von denen ist Kama. Liebe.
Beim anschauen der Anlage ist es in mir ganz still geworden. Friede, Verspieltheit, Leichtigkeit und Versenkung strömt aus den Skulpturen. Im Tempelinnern, im Schrein, vor den Füßen der Götter- und Göttinnen-Statuen sind immer frischgepflückte Blüten.
Der Devi Jagadambi Tempel ist der Göttin Kali geweiht. „Very Powerful“, sagt der Mann, der den Tempel bewacht. Sie ist der Hauptgrund wieso ich hier bin, denke ich mir. In meinem Kunstprojekt geht es um die Göttin Kali, eine tantrische Göttin des Kreierens und des Zerstörens. Die Sanskrit-Silbe „kal“ bedeutet Zeit. Die Göttin die alles hervorbringt und wieder verschwinden lässt. Leben schenkt und Leben nimmt...
In einem der Tempel werden bis heute Pujas abgehalten. Zweimal am Tag, um 6 Uhr in der Früh und um 18:30 am Abend. Ich hatte das Glück an zwei aufeinander folgendenTagen der Abendpuja in dem 800 Jahre alten Shiva-Tempel beiwohnen und !fotografieren! zu dürfen. Das ist hier keine Selbstverständlichkeit. Die Menschen meinen es ernst mit der Spiritualität als Weg und mögen nicht unbedingt dabei aufgenommen werden. Dank meines jungen Guides, einem Brahmanensohn, (die Brahmanen bildeten in alten Indien die Priester-Kaste), der selber bei dem im Vorjahr verstorbenen Saddhu des Siva-Tempels Tantraunterricht genommen hat, habe ich fotografieren dürfen; dank ihm überhaupt von der Puja erfahren. An beiden Tagen war viel los. An diesem Wochenende wurde der 60. Jahrestag der Unabhängigkeit Indiens gefeiert, daher sind besonders viele Menschen zur Puja gekommen. Die Stimmung war feierlich.
Der Kultraum des 800 Jahre alten Matangesvara Tempels ist Rund. Auf einem ungefähr 2 Meter hohen und 5 Meter breiten Sockel ist eine Yoni aus Stein mit einem Durchmesser von 1,5 Metern und einer Länge von 3 Metern (Yoni, Sanskrit: das weibliche Genital), in der Mitte der Yoni ragt ein Lingam gen Himmel, mit einem Durchmesser von ungefähr einem Meter und einer höhe von 2,5 Metern (Lingam, Sanskrit: das männliche Genital). Überall steigt der Rauch von Butterlampen und Räucherstäbchen auf. Der Boden ist rutschig von dem Wasser, das immer wieder über den Lingam geleert wird und in die Yoni fließt.
Espielt sich im 21. Jahrhundert ab, fühlt sich aber an als wäre es vor Tausenden von Jahren.
Später versammeln sie sich zum ekstatischem Gesang um die Yoni und den Lingam herum. Der Saddhu führt das Ritual. Er zündet eine Feuerschale an, macht rituelle Handbewegungen in alle Himmelsrichtungen, er ruft laut auf Sanskrit Sätze, die seit Jahrtausenden gerufen werden. Die Menschen singen Sanskrit-Mantren, schlagen die Trommeln. Die Stimmung steigert sich bis zu einer sehr kraftvollen Ekstase. Überall hängt der Duft von Räucherwerk schwer in der Luft. Die Kinder springen herum, die Erwachsene klatschen, singen und machen tanzende Bewegungen. Die Atmosphere rührt zu Tränen..... es ist schwer beschreibbar.Das Leben gibt Dir die Antworten so, wie Du die Fragen stellst – denke ich nach dem wir den Tempel verlassen.
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